Rette sich wer kann, 09.02.2012
Nach wie vor schützt das 'Assad-Regime' in den Augen vieler Menschen in Syrien - wahrscheinlich in den Augen der Mehrheit - das Land vor dem Absturz in den Bürgerkrieg. Wenn schon nicht Stabilität, dann doch wenigstens Schutz vor dem Schlimmsten ist das, was Assad repräsentiert und was das Land noch zusammenhält.
Man kann gar nicht alle Konfliktlinien, die durch das Land laufen aufzählen. Sie sind nicht neu, aber erst mit den Erschütterungen des sogenannten 'Arabischen Frühlings' voll aufgebrochen. Einige dieser Konfliktlinen nennt ein Teilnehmer in einem Diskussionsforum von Spiegel Online:
So befinden sich bspw. Liberalität u. Religiösität, Sunni u. Shia, Iranische u. Saudische Interessensvertretungen, kommunistische u. kapitalistische Systemverfechter, Wirtschaftszentren(Aleppo/Damaskus) u. zentrale Großstädte(Hama/Homs), protürkische u. panarabische Ideologien, drusisch/kurdische Separatisten u. Einheitsbefürworter, westliche(nato) u. östliche(china/russland) Kräfte, ja sogar zivile u. militärische Regimeelemente im offenen Wettstreit miteinander.
Die Situation wird verkompliziert durch eine "Befreiungsarmee", welche das "Exilparlament" unlängst für feige erklärt hat, mit der traditionellen, lange Zeit unterdrückten, eher moderaten Inlandsopposition aber auch nichts zu tun haben will.
Aufgrund diverser Sanktionen und Embargos sind die Benizinpreise ins (für syr. Verhältnisse) Unermeßliche gestiegen, die sowieso schon hohe Arbeitslosenrate weiter angestiegen, und der Großteil der opportunistischen Oberschicht bereits ins Ausland geflohen.
Solange die Hoffnung vorherrscht, dass der Bürgerkrieg vermieden werden kann, wird Syrien einigermaßen stabil bleiben.
Aber wenn dieser Glaube zerstört ist, dann wird das Land im Bürgerkrieg zerfallen. Das ist der Hintergrund der gegenwärtigen Aktionen der sogenannten syrischen Befreiungsarmee in Zusammenarbeit mit Medien und internationalen Kräften.
Es wird versucht, soviel militärischen Druck, internationale politische Isolierung und medialen Hype zu erzeugen, dass niemand mehr an die Beständigkeit des Systems glauben kann. Sobald dieser Punkt erreicht ist und jeder nach dem Motto handelt: "Rette sich wer kann!" - ist das Chaos vorprogrammiert.
Wer die ethnischen Konflikte in Homs (und in kleinerem Masse auch in Hama) betrachtet, wo seit Monaten Alawiten und Christen von sunnitischen Extremisten bedroht und verfolgt werden. träumt nicht mehr von der Stabilität eines Syrien nach Assad.
Das Veto Russlands und Chinas im UN-Sicherheitsrat zeigt, dass es eine Alternative zum Bürgerkrieg gibt: Verhandlungen zwischen allen Seiten in diesem Konflikt
Aber weder die USA noch die Fürstentümer am Golf wollen Verhandlungen.
Die Berichte (über ausländische Kämpfer in Syrien) in den arabischen (durchaus seriösen) Medien sind so umfangreich und z.T. so detailliert – wie etwa hinsichtlich des Einsatzes libyscher Kämpfer im Unteren Euphrattal in der Region Deir ez-Zor – dass sehr viel für den Wahrheitsgehalt spricht
Mitteilung von Prof. Meyer, Mainz
Die USA und die Golfstaaten haben schon längst ihre Kettenhunde losgelassen, die Syrien in den Abgrund treiben sollen.
